Mit fairem Konsum im Mittelfeld
Wie selbstverständlich Fairness im Einkauf ist, unterscheidet sich innerhalb Europas deutlich. Nach dem Jahresbericht des Fairen Handels hat Deutschland noch reichlich Luft nach oben.
In Deutschland gaben Verbraucher:innen 2025 im Durchschnitt 33 Euro pro Kopf für fair gehandelte Produkte aus. Im internationalen Vergleich ist das wenig: Spitzenreiterin beim fairen Konsum ist die Schweiz. Dort lagen die Ausgaben 2025 umgerechnet bei rund 129 Euro allein für Fairtrade-gesiegelte Produkte.
Laut Bericht des Forums Fairer Handel (FFH) stieg in der Schweiz der Umsatz mit Fairtrade-Produkten im Jahr 2025 um 6,3 Prozent auf umgerechnet 1,16 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Fair gehandelte Produkte gehören hier längst zum Alltag. Mehr als 3.600 Fairtrade-Produkte sind im Handel erhältlich, und große Einzelhändler wie Coop oder Migros bauen ihr Sortiment kontinuierlich aus. Rund 80 Prozent des Umsatzes entstehen im klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Studien der Universität Zürich erklären dies nicht allein mit der hohen Kaufkraft, sondern verweisen auf eine besonders ausgeprägte moralische Verantwortung für fairen Konsum. Gleichzeitig erleichtert ein nachhaltigkeitsorientierter Einzelhandel den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Kaufentscheidung.
Auch Österreich zählt mit 88 Euro pro Person für Fairtrade-gesiegelte Produkte zu den drei stärksten Märkten und liegt damit gleichauf mit den Niederlanden. In Österreich sind laut Jahresbericht zudem die 88 Weltläden wirtschaftlich sehr erfolgreich. Sie verzeichneten 2025 ein Umsatzwachstum von 10 Prozent und überholten damit den österreichischen Biomarkt, der im selben Jahr um 6,5 Prozent zulegte.
Franzosen kaufen Faires aus Frankreich
Ein besonderen Wachstumsschub erreichte der Umsatz mit fair gehandelten Produkten im vergangenen Jahr in Frankreich. Dort wurden im vergangenen Jahr pro Kopf rund 47 Euro für Produkte aus Fairem Handel ausgegeben. Nach Angaben des französischen Dachverbands Commerce équitable France beliefen sich die Umsätze mit Fair-Trade-Produkten in Frankreich im vergangenen Jahr auf über 3,2 Milliarden Euro. Das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr erreichte beachtliche 23 Prozent, während der französische Lebensmittelmarkt insgesamt nur um 1,8 Prozent wuchs.
Eine französische Besonderheit ist, dass landwirtschaftliche Produkte aus dem eigenen Land besonders beliebt sind. Der Umsatz mit fairen Lebensmitteln aus Frankreich ist 2025 um 26 Prozent auf mehr als 1,6 Milliarden Euro gewachsen und hat somit die traditionellen Fair-Trade-Produkte aus dem Globalen Süden überholt.
Interessant sind in Frankreich zudem die Sortimentsschwerpunkte im Fairen Handel. Fast zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf Backwaren und Feingebäck (37,4 %) sowie herzhafte Lebensmittel (26,5 %), gefolgt von Fleisch und Eiern (12,4 %). Bei den Süd-Produkten machen Kaffee (34,4 %) und Schokolade (22 %) den größten Anteil am Umsatz mit Fair-Trade-Produkten aus, gefolgt von Bananen (14,6 %).
Aus Sicht der Dachorganisation des Fairen Handels (FFH) liegt ein entscheidender Faktor für den französischen Fair-Trade-Boom in der politischen Regulierung. Der Erfolg sei eng mit politischen Rahmenbedingungen verbunden. So habe Frankreich bereits vor rund 20 Jahren gesetzlich geregelt, wie Fair-Trade-Kennzeichnungen verwendet werden dürfen. Zusätzlich stärke das EGAlim-Gesetz faire Preise entlang der Lebensmittelkette und verpflichte dazu, Produktionskosten der Landwirtinnen und Landwirte angemessen zu berücksichtigen. Faire Preise seien dort somit nicht nur eine freiwillige Entscheidung der Verbraucher, sondern auch politisch verankert.
Die europäischen Beispiele zeigen, dass Fairer Handel dann besonders erfolgreich ist, wenn Politik, Handel und Verbraucher gemeinsam Verantwortung übernehmen. Während die Schweiz durch ein flächendeckendes Angebot und eine starke gesellschaftliche Akzeptanz überzeugt, setzt Frankreich auf politische Regeln für faire Preise und stärkt gleichzeitig die heimische Landwirtschaft. Österreich wiederum zeigt, wie wichtig spezialisierte Fachgeschäfte und engagierte Verbraucherinnen und Verbraucher sein können.
Für Deutschland bedeutet das: Mehr Transparenz, eine größere Auswahl fair gehandelter Produkte und verlässliche Rahmenbedingungen könnten dazu beitragen, den fairen Konsum insgesamt weiter auszubauen. Dabei will auch die alljährliche Aktionswoche des Fairen Handels in den letzten beiden Septemberwochen unterstützen. In diesem Jahr findet die „Faire Woche“ vom 11. bis 25. September statt und steht ganz im Zeichen der Vielfalt des Fairen Handels.

Grafiken: Forum Fairer Handel
