Mehr heimisches Bio-Gemüse
Deutsche Bioanbauer kämpfen um ihren Platz in den Supermarktregalen. In Marktgesprächen und Runden Tischen wird mit Hochdruck an neuen Strategien gearbeitet, um den Anteil heimischer Ware auszubauen. Denn der Importdruck ist hoch und die Gespräche mit dem Handel sind zäh.
„Der Ausbau des heimischen Angebotes liegt nicht an der Bio-Fläche und auch nicht am fehlenden Interesse der Bio-Erzeuger“, erklärte Markus Puffert, Fachberater der Landwirtschaftsklammer NRW, auf dem Marktgespräch Bio-Gemüse des Projektes Bio2030. Der deutsche Bio-Gemüsebau wurde im Jahr 2025 kräftig ausgebaut. Die Freilandfläche wuchs auf mehr als 20. 000 Hektar und die Erntemenge stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 13 Prozent auf 562.800 Tonnen. Über die vier großen Lebensmittelhändler Aldi, Lidl, Rewe und Edeka wird das Gros der Menge umgesetzt.
Laut dem Infoportal oekolandbau.de verzeichnete der deutsche Bio-Freilandgemüsebau verzeichnete 2025 in nahezu allen Bereichen Höchstwerte. Sowohl die Zahl der Betriebe als auch Anbaufläche und Erntemengen legten deutlich zu. Der Bio-Anteil an der gesamten Gemüsefläche lag bei 15,6 Prozent. Insgesamt wirtschafteten 1.367 Betriebe im Bio-Gemüsebau, rund 50 mehr als im Vorjahr. Preisdruck und strukturelle Unsicherheiten sorgen im Jahr 2026 allerdings für eine Konsolidierung. Arbeitskräftemangel und neue Technik zur automatisierten Unkrautregulierung setzen Betriebe unter Druck. Der hohe Investitionsbedarf für moderne Hacktechnik und Robotik verschiebt den Wettbewerb zugunsten größerer Betriebe und beschleunigt den Strukturwandel.
Gleichzeitig kämpfen die Betriebe mit dem Klimawandel. Der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bringt viele Bio-Erzeuger an ihre Belastungsgrenze. Die Wetterextreme betreffen dabei nicht nur Deutschland, sondern auch wichtige Anbaugebiete in Spanien, Italien und Frankreich. Um sich für immer längeren Trockenphasen zu rüsten und in moderne Technik zur Unkrautbekämpfung investieren zu können, benötigen die Betreibe Planungssicherheit durch Vertragsanbau. „Eine mittelfristige Bindung seitens des Handels sei jedoch immer schwerer zu erreichen“, konstatierte Almuth Eberhard, Geschäftsführerin der Vermarktungsgesellschaft Bioland SH. Das Fazit der Bio2030 Marktgespräche im Sommer: Mehr deutsches Bio-Gemüse kann nur durch gemeinsame Vereinbarungen von Handel und Erzeugern gesichert werden.
Auf diesen Schulterschluss setzt das neue Projekt „Mehr Ökolandbau durch Selbstverpflichtung des Handels“ des Kompetenz-Zentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN). Gemeinsam mit Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern will man mehr Verbandsware in den Lebensmitteleinzelhandel bringen. Im Fokus stehen hierbei Bio-Kartoffeln, Bio-Äpfel, Bio-Möhren und Bio-Zwiebeln. „Das Geld in öffentlichen Kassen ist knapp. Bio-Wachstum muss daher am besten privatwirtschaftlich organisiert werden“, erklärt Projektkoordinator Henning Niemann, Verarbeiter- und Händlerberater beim KÖN, gegenüber dem Fachmagazin biopress. Der deutsche Bio-Markt biete nach seiner Einschätzung bei heimischem Bio-Gemüse noch erhebliches Wachstumspotenzial. Die Bio-Marktanteile von Kartoffeln, Äpfeln, Möhren und Zwiebeln aus Deutschland seien vergleichsweise gering, während drei Viertel der deutschen Bio-Konsumenten laut einer Bilendi-Umfrage Bio aus Deutschland bevorzugen.
Nach vier produktspezifischen Runden Tischen folgt nun am 30. November der Strategie-Gipfel ‚Mehr Deutsche Bio-Frische‘ in Visselhövede (Niedersachsen). Gemeinsam mit den Vertriebs- und Marketing-Verantwortlichen des Handels sollen Strategien, gemeinsame Ziele und Verantwortliche für eine branchenübergreifenden Kampagne entwickelt werden. Die Ergebnisse werden auf dem Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln am 1. Dezember vorgestellt. Das Abschlussdokument samt den Zielvereinbarungen in der Wertschöpfungskette wird dann am Dienstag, 16. Februar, 12 bis 13.30 Uhr in der Lounge BIOimSEH auf der Biofach 2027 präsentiert.
Bildunterschrift:
Für die Sorte „Feldfrische Möhre“ mit dem FairBio-Logo werden in der Bio-Safterei Voelkel heimische Biomöhren direkt vom Feld verarbeitet. Foto: Voelkel
